Erstes Nationales Treffen von Pestizidopfern in Asunción/Paraguay

[img_assist|nid=362|title=Asamblea|desc=|link=node|align=left|width=150|height=113]Einen Tag vor dem internationalen Tag der Landlosen am 17. April begann in der paraguayischen Hauptstadt Asunción ein nationales Treffen von VertreterInnen aus Gemeinden, die unter den Auswirkungen von Pestiziden leiden. Die Zusammenkunft von Betroffenen und Opfern des Pestizideinsatzes ist die erste auf nationaler Ebene.

On April 18th, internal day of farmers struggle the assembly marched through Asuncion. View more

In den zwei Tagen des Treffens sollen die Fundamente für eine koordinierte Arbeit gelegt werden. Der autonome und pluralistische Raum der Versammlung soll den betroffenen Gemeinden und Personen die Möglichkeit bieten, sich mit den Organisationen zu vernetzen, die zu dieser Thematik arbeiten.

Pestizide werden in massiver Weise in der grossflächigen, industrialisierten Landwirtschaft eingesetzt. In Paraguay betrifft dies hauptsächlich die Sojaproduktion mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Die Flächen des Sojaanbaus dringen immer weiter in ländliche und sogar an städtische Räume vor und zerstören so den Lebensraum von kleinbäuerlichen und indigenen Gemeinden.
Die drastischen Folgen sind deutlich sichtbar: verschmutzte Wasserläufe, Wasserquellen sind nicht mehr nutzbar, die Gesundheit von Mensch und Umwelt ist erheblichen Gefahren ausgesetzt. Betroffene Gemeinden werden in eine noch tiefere Armut gestürzt. Es kommt zum sozialen Zerfall der Gemeindestrukturen. Die Menschen wandern ab und vergrößern die Elendsgürtel um die Grossstädte des Landes.

Alle bisherigen Versuche mit Rechtsmitteln die Sprühungen zu stoppen, die den bestehenden Gesetzesrahmen verletzen, blieben fruchtlos. Es zeigte sich damit wiederholt, dass wirtschaftliche Interessen wichtiger sind als Menschenrechte und die Verteidigung von Gesundheit und Leben. Im Moment sind zudem zwei Gesetze im Verabschiedungsprozess im paraguayischen Parlament, die Mensch und Umwelt noch verletzlicher machen: Das Gesetz zur Kontrolle von phytosanitarischen Produkten soll der der nationalen Pflanzenschutzbehörde (SENAVE) alle Macht über die Kontrolle von Pestiziden geben. Mit dem Investitionsschutzgesetz wird dem repressiven Vorgehen seitens Polizeieinheiten gegen Widerstand leistende Gemeinden ohne richterlichen Beschluss grünes Licht gegeben.

Die TeilnehmerInnen der Versammlung trafen sich bereits mit den Senatoren, welche die verschiedenen Kommissionen anführen, die das Pestizidgesetz bearbeiten. Am 17. April um 15.30 Uhr wird es eine öffentliche Debatte mit RegierungsvertreterInnen geben über die bestehende Politik, die Vergiftungen mit Pestiziden ignoriert und die Gesundheit insbesondere von Kindern gefährdet. Die Minister Camilo Soares und Liz Torres haben ihre Beteiligung bestätigt.
Die kritische Situation, in der sich viele Gemeinden in Paraguay befinden, hat bereits Reaktionen auf internationaler Ebene ausgelöst. Am 17. April fand anläßlich des Tages der Landlosen in Berlin eine Kundgebung vor der paraguayischen Botschaft statt. Am 18. April werden Bauern- und Umweltorganisationen im spanischen Zaragoza eine nationale Demonstration gegen Gentechnologie realisieren, um zum Ausdruck zubringen, dass sie ohne Gentech produzieren und konsumieren wollen. Immer mehr wird auch der massive Import von genetisch-manipuliertem Soja aus Lateinamerika für die industrielle Tierproduktion in Europa in Frage gestellt.

(Pressetext Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. vom 17.4.09)

Hintergrundinformationen:
Sojarepublik Paraguay ? Konflikte um Land und Ernährungssouveränität
von Reto Sonderegger. FDCL, Berlin, November 2008
http://fdcl-berlin.de/index.php?id=1468